12/03/2009

There is a lot to tell!

Ja ich habe wirklich viel zu erzählen seit meinem letzten Eintrag am Vormittag des Black Friday.
An eben jenem Freitag waren wir noch im Fitness Studio zum Body Pump. Das war Ganzkörpertraining unter Anweisung einer Trainerin. Das ist nicht nur für die Muskeln anstrengend, sondern auch für den Kopf, wenn man die ganze Zeit zu hören und zu gucken muss, damit man sich bei den schnellen Übungs- und Tempowechseln nicht abhängen lässt. Den Rest des Nachmittags haben wir relaxt und den Film „national treasure“ angeschaut. Das war besonders interessant, weil wir einige der Schauplätze am Sonntag und Montag noch besucht haben.
Am Abend haben wir von Flemington, NJ nach Allentown, PA umgesiedelt und auf dem Weg Lydia am Flughafen abgeholt. Bei Laura angekommen, spielten wir mit dem Gedanken ein Weinchen für den Abend zu besorgen. Leider gab es im Walmart keinen, weil es in Pennsylvania nur sehr wenige und schwer zu erhaltene Alkohollizenzen für Läden und Restaurants gibt. Andere Läden hatten bereits geschlossen. Das hat uns aber noch lange nicht den Abend versaut...

Bei herrlichstem Sonnenschein waren wir vier am Samstag auf dem Appalachian Trail unterwegs. Dort ging es entlang eines Bergrückens mit vielen Felspartien und toller Aussicht.

 
 
 
Später haben wir uns Bethlehem angeschaut. Dieses Örtchen ist sehr deutsch geprägt. Es war bereits weihnachtlich-winterlich geschmückt und wir haben uns auf dem „Christkindlemarkt“ umgeschaut. Ja er trägt genau diesen Namen... Die hier sehr stark umworbenen Artikel „Made in Germany“ wie Holzgrippen aus dem Erzgebirge waren allerdings etwas überteuert.
Nachdem wir deutsche wie amerikanische Weihnachtskunst gesehen hatten und den obligatorischen Food Court der Amis links liegen gelassen haben, guckten wir uns noch an wie ein Mann extrem kurzlebige Kunst aus Eis schuf. Hier sägt er gerade einen Engel:

Am Sonntag, dem ersten Advent, hatten wir sogar einen Adventskranz auf dem Tisch. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Philadelphia. Dort schlenderten wir zunächst durch eine Markthalle, in der an kleinen Ständen alle erdenklichen Speisen und Nahrungsmittel extrem frisch und teilweise noch lebendig angeboten wurden.
Im Anschluss haben wir die „Independence Hall“ und die „Liberty Bell“ besichtigt. Beides sind recht bedeutsame Elemente der noch jungen amerikanischen Geschichte.

In der Independence Hall wurde die „Declaration of Independence“ entworfen. Die „Liberty Bell“ wurde zur ersten Verkündung der „Declaration of Independence“ geläutet und ist seitdem Zeichen für Freiheit und Gerechtigkeit.
Nachdem wir Lydia die Shoppingwelt der Ostküste (Sie ist von West Lafayette nichts gewöhnt) in einer leicht überdimensionierten Mall gezeigt haben und sie sich für unsere Ski- und Snowboardeinlage in den Weihnachtsferien ausgerüstet hatte, haben wir Laura in Allentown abgeliefert und sind nach New York gefahren.

Wir sind direkt nach Manhattan gefahren und haben sogar einen Parkplatz in Laufreichweite von Times Square und Empire State Building gefunden. (Neun Dollar am Parkscheinautomat in Münzen) Den Times Square muss man ja bei Nacht angucken! Und nachts auf das Empire State Building zu gehen war auch eine super Idee, weil wir keine Sekunde in einer Warteschlange standen und weil die Aussicht über das Lichtermeer sehr beeindruckend ist. (Gute) Photos zu machen, war selbst mit einem Stativ nicht möglich, da dort oben sehr starker Wind war. Ich glaube die Schwingung des Gebäudes waren für eine angemessene Nachtbelichtungszeit bereits zu viel. Dafür kann ich dieses Bild des Eingangsbereiches in Weihnachtsdeko bieten:

Auf dem Weg zu unserem Häuschen in Long Beach raubte uns gegen zwei Uhr ein Polizist wertvolle Zeit, die wir lieber mit Schlafen verbracht hätten. Ich erzähle dazu am Ende mehr, aber nun bringe ich erst mal den Sightseeingteil zu Ende.
Nach knappen vier Stunden Schlaf, machten wir uns im vollbesetzten Rush-Hour-Zug auf den Weg nach Manhattan, um Lydia noch die wichtigsten Dinge zu zeigen, bevor ihr Flieger gehen sollte. Auf unserer Powerrunde bei Regenwetter haben wir immerhin die folgenden Orte besucht: Wall Street - Trinity Church - Battery Park mit Blick auf die Statue of Liberty - Ground Zero - Grand Central Station - Rockefeller Center - Fifth Avenue - Central Park und noch mal Times Square. Wir waren hier im Toys"R"Us die Lego Modelle von Empire State Building mit King Kong, Chrysler Building und Statue of Liberty angucken.
Mit wenigen Minuten bis zur planmäßigen Abfahrt des Flughafenshuttles stürmten wir ins Port Authorithy Bus Terminal. Leider half die Wegbeschreibung des Busunternehmens aus dem Internet nicht bei der Suche des Schalters. Ein sehr netter Mann, den wir gefragt hatten, begleitete uns noch zum Bus und wir konnten Lydia quasi in den schließenden Türen des Busses verabschieden. Unseren Teil zum Erreichen des Fliegers hatten wir damit erledigt und haben uns noch eine Weile mit dem Mann unterhalten, der uns den Bus gezeigt hatte. Warum Lydia den Flieger dennoch verpasst hat, darf sie selbst erzählen...
Nachdem wir mit dem Mann unsere "Lebensgeschichten" ausgetauscht und einige Tipps für die Westküstentour erhalten hatten, meinte er, dass er noch vier Punkte für uns drei hätte:

1. You are young
2. You are intelligent
3. You have a good appearance
4. You are healthy

Als Schlussfolgerung dieser Punkte gab er uns auf den Weg " You can take risks. With these four points you are able to change plans, if they don't work." Er meinte dass er es mittlerweile nicht mehr kann. Dabei war er für seine 68 Jahre sehr fit, wie er mit uns zum Bus gehechtet ist.

Im Anschluss wollten Konrad und ich einen Flugzeugträger besuchen, der als Museum am Hudson River liegt. Er hat jedoch leider in den Wintermonaten an Montagen geschlossen. Nachdem wir mit einem kleinen Telefonat geklärt hatten, dass es geöffnet ist, waren wir im American Museum of Natural History. Es sieht übrigens total anders aus als im Film "Nachts im Museum" und der T Rex stand im vierten Stock zwischen vielen anderen Dinosauriern.


Anschließend fuhren wir nach Hause und relaxten. Wenn ein Wochenende so schön und ereignisreich ist, dann ist es leider meistens auch anstrengend...

Nun zu der Story mit der Polizei:
Als ich also nachts aus Manhattan kam, fuhr ich über die Brooklyn Bridge, da Lydia sie noch sehen wollte. Trotz wecken hat sie sie dennoch verschlafen.
In Brooklyn war ich dann auf der Suche nach dem richtigen Weg und war mir sicher nichts falsches gemacht zu haben, als die Lichtshow eines Polizeiwagen hinter mir losging. Die Polizisten behaupteten, dass ich eine rote Ampel überfahren habe. Man bat mich aus dem Auto, um einen Alkoholtest zu machen. Das war der entspannteste Teil meines Aufenthaltes auf dem Seitenstreifen. Ich habe ihm alle Unterlagen gegeben, die er sehen wollte. Zum Führerschein habe ich ihm noch mehrfach angeboten meinen internationalen Führerschein aus dem Auto zu holen, aber er hat abgelehnt.
Er schickte mich dann zurück ins Auto und nach längerem Warten erschien er am Fenster:
1. Ticket für Rotlicht: 270 Dollar
2. Ticket für Fahren ohne Führerschein: 120 Dollar
3. Keine Chance zum erklären

Nachdem ich die Tickets erst mal einen Tag verdrängt habe, habe ich Montag abends noch mal die Website des New York State Department of Motor Vehicles besucht und schwarz auf weiß gefunden, dass ich mit meinem deutschen Führerschein fahren darf. Immerhin hat man mir mit diesem ja auch ein Auto vermietet.

Um das gute Recht einzufordern, kann man die Tickets per Post beantworten und soll dann einen Gerichtstermin mitgeteilt bekommen. Dabei gibt es jedoch das Problem, dass dies meist recht lange dauert und ich in zwei Wochen den Staat verlasse.
Auf der Arbeit hörte ich, dass man auch einfach in einem dieser Traffic Violations Bureaus vorbeigehen kann und dann nach unbekannter Wartezeit einen Richter sprechen könnte. Mit eben diesem Plan, meinen Unterlagen und einem Ausdruck der NYSDMV-Website bewaffnet zog ich am Mittwoch morgen nach Manhattan.
Eine sehr nette Dame am Schalter begutachtete meine deutschen Unterlagen und rat mir auch das Rotlicht anzufechten, da ich damit erst mal Zeit gewinnen würde und es vielleicht klappt. Sie meinte es gäbe nämlich noch drei Punkte für das Rotlicht in meinen New York State records, was jedoch nicht auf dem Ticket stand. Dafür gab es einen Termin im Januar, weil der Polizist auch kommen muss. Da kann ich natürlich nicht kommen, aber ich kann schriftlich Stellung nehmen. Dann wird in meiner Abwesenheit verhandelt. Für die Führerscheinsache sollte ich wirklich einen Richter noch am gleichen Tag sehen. "Statewide network problems" verzögerten dies jedoch. Als die Computer wieder klappen wurde ich dann in einen Anhörungsraum gebeten. Hier waren mit mir noch zirka 20 andere Verkehrssünder. Als der Richter loslegte ging alles ziemlich schnell, die fünf oder sechs vor mir hatte er in weniger als fünf Minuten nach Hause geschickt. Keiner hat recht bekommen, einer ging ohne Führerschein. Ich konnte ihm noch nicht einmal alle Fakten erzählen, da meinte er nur "There is too much going on to look at this now". Ihm war das mit deutschem und internationalem Führerschein offenbar zu kompliziert für diese "Blitzverhandlung" und er verabschiedete mich mit einem Januartermin für eine "richtige" Verhandlung. Da muss dann auch die schriftliche Stellungnahme herhalten. Mal sehen was daraus wird.

Hier ist nun ein kleiner Schnitt in der Story, weil ich bereits gestern angefangen habe diesen Eintrag zu schreiben und sich in der Zwischenzeit meine Meinung zum Anfechten der Tickets geändert hat: Da sich das mit dem Anerkennen des deutschen Führerscheins nicht als allzu einfach erwies, rief ich heute beim deutschen Generalkonsulat in New York an und wollte mich erkundigen, ob sie Erfahrung mit ähnlichen Fällen haben. Die Dame an der Telefonzentrale fragte mich noch allgemeine Dinge, wie zum Beispiel ob ein internationaler Führerschein vorhanden sei. Genaueres wusste sie auch nicht und gab mir die Durchwahl eines Mitarbeiters der besser Bescheid wissen sollte. Dieser gab mir nur einen Rat: „Mach es wie die Spieler – zahle und lächele“ Er meinte, dass das Anfechten nur zuviel Stress sei und wenig Aussicht auf Erfolg habe. Als ich dann erzählte, dass ich auch noch in zwei Wochen aus dem Staat und Land gehe, bekräftigte das seine Meinung, weil es in der Vergangenheit bereits Probleme mit der Wiedereinreise bei offenen Fällen gegeben hat. Da ich meinen Winterurlaub und das Studium im Frühjahr nicht gefährden möchte, ging es dann nach dem Motto „Experience is not for free“ oder „Learn it the hard way“.
Wenigstens macht einem das NYSDMV mit einem Onlinesystem einfach vorherige „not guilty pleas“ in „guilty pleas“ umzuwandeln und mit Kreditkarte in Sekundenschnelle zu zahlen.
Es ist schon irgendwie komisch etwas anzuerkennen, dass einem Richterschuldspruch gleich kommt, wenn man weiß, dass das ganze zu Unrecht geschieht.

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