9/23/2009

Multiplying my proofs of identity or "Applying for a Social Security Card is free!"

Wie ich am Beispiel Bierkaufen schon mal erzählt habe, benötigt man in den USA einen Reisepass oder eine "U.S. issued ID" um den Alltag zu bestreiten. Bierkaufen ist hier allerdings das kleinere Übel. Behörden, Ämter oder irgendwelche andere Institutionen, von denen man etwas haben möchte, fordern gerne zwei "proofs of identity". Leider besitzt man als gemeinsterblicher "alien" in den USA so etwas nicht. Bislang habe ich mich auch ganz gut ohne zweiten Ich-Bin-Ich-Nachweis durchgeschlagen.
Beim Drogentest könnten wir die Arzthelferin mit einigem auf "Ich bin doch nur armer Austauschstudent und habe keine Ahnung" machen überzeugen, die Zeile "social security number" einfach frei zu lassen. Ob das so geklappt hat keine Ahnung... Man hat sich noch nicht bei mir gemeldet.
Strom- und Gas haben wir auf Konrad umgeschrieben. Er ist bereits seit längerem stolzer Besitzer einer "social security card" und damit einer "social security number", womit er seine Identität dem Energieversorger gegenüber bekräftigen konnte.

Nun gut, da einem das Herumschleppen des Reisepasses auf die Nerven geht und eine zweiter Identitätsnachweis als hilfreich erscheint, war die erste Idee einen Führerschein zu machen. Den Plan habe ich aber vorerst mal verworfen, da die hier im Staate New York meinen deutschen Führerschein beim Ablegen der Schriftlichen Prüfung (Es folgt noch die Praktische und ich habe zu dem Zeitpunkt keinen US-Führerschein) behalten und im Normalfall nach 60 Tagen vernichten wollen. Es soll zwar auch möglich sein, den Führerschein vor diesem Unheil zu bewahren, wenn man vorher beim Abgeben darüber informiert, dass man die Absicht hat wieder in sein Heimatland zurückzukehren. Das ist mir allerdings nicht so geheuer. Außerdem kann ich hier mit meinem deutschen Führerschein + internationalem Führerschein ganz legal am Straßenverkehr teilnehmen. Das New York State Department of Motor Vehicles (NYS DMV), das sich um die Führerscheinangelegenheiten kümmert, stellt aber auch "Non-Driver photo ID Cards" aus. Also quasi Führerscheine für Leute die keine Fahrberechtigung haben ;-) Das ist das Objekt der Begierde, um sich dann mit einer "U.S. issued ID" im Checkkartenformat ausweisen zu können. Der Haken dabei: Um die zu bekommen sind mal wieder zwei "proofs of identity" gefordert.

Ich zog also gestern los um mir eine "social security number" zuzulegen. Ob das so ganz ohne weitere Ich-Bin-Ich-Nachweise möglich sein sollte wusste ich bis dahin noch nicht. Während meiner Arbeitszeit führ ich zum nächstgelegenen Social Security Office. Ich hatte mich auch bereits vorher auf der Website informiert und das Antragsformular gedruckt und ausgefüllt. Erfreulicherweise ließt man darauf in der ersten Zeile "Applying for a Social Security Card is free!" Bis zum Betreten des Büros war dem auch so, denn die Parkhausschranke würde mir vom freundlichen Pfördner kostenlos geöffnet als ich vorgab zum Social Security Office zu wollen.
Als ich das "office" sah, wusste ich dass ich dort eine Weile brauchen werde. Und Zeit ist nun mal Geld... Von wegen "free"!

Zunächst wurde ich wieder von einem dieser Wachmänner begrüßt, der mich auf die Sachen hinwies, die auf den Schildern geschrieben waren. Diese Leute müssten sich bei mir immer so unglaublich unnötig vorkommen, weil ich ihnen immer erzähle, dass ich das gerade gelesen habe, was sie da reden.
Nun gut er wies mich darauf hin, dass ich zum Beantragen einer Social Security Card auf dem Willkommenscomputer die 1 drücken sollte. Mir würde meine Wartenummer A111 gedruckt. A war eine von fünf Nummerkategorien. Und es war zuletzt A104 aufgerufen worden. Ok - überschaubar dachte ich mir... Durchschaubar wurden für mich während meines Aufenthalts auch folgende Gesetzmäßigkeiten dieser Behörde. (Gültigkeit nur während meines Aufenthaltes nachgewiesen ;-) )
  • Es sind maximal drei der sechs Schalter geöffnet.
  • Nummern der Kategorie A werden nur an Schalter 1 bedient.
  • Zwischen zwei A-Nummern werden mindestens drei Nummern einer anderen Kategorie an Schalter 1 bedient.
  • Rollstuhlfahrer werden grundsätzlich an einen der normalen Schalter gebeten und nicht an den Rollstuhlschalter mit niedrigem Tresen.
  • Wartende haben die Wahl zwischen einem Stuhl in einer von neun achtstühligen Reihen, die zur Wand mit der Anzeigetafel der aufgerufenen Nummer gerichtet sind, oder einem von acht Tischplätzen, an denen man falls nötig Formulare ausfüllen kann.
  • Der "Begrüßungswachmann", der die meisten Schilder offenbar auswendig kennt, isst genüsslich unter dem "Essen und Trinken verboten"-Schild. Als besonderer Service zu diesem Verbot wird auch einer der typischen Trinkbrunnen angeboten.
  • Besucher die eine falsche Nummernkategorie gezogen haben, müssen eine neue Nummer ziehen, nachdem sie aufgerufen wurden.
  • Sogar das ändern des Geburtsdatums auf der Social Security Card ist möglich. (Zumindest den Antrag zu stellen dies zu ändern schien dem Personal nicht unüblich)
  • Bevor die eigene A-Nummer aufgerufen wird, werden seit der letzten A-Nummer sechs Nummern anderer Kategorien zu Schalter 1 aufgerufen
Als ich endlich aufgerufen wurde, ging es dann sogar relativ schnell. Noch ein paar Fragen zu meinen Formularen. So z.B. Purdue University - das ist in Indiana, richtig? Warum sind sie in meinem Büro in Mineola, NY?
Und die Krönung: Bei meinem ersten Schritt zum Vermehren meiner "proofs of identity" galt dieser weiße Zettel "Form I-94" in meinem Reisepass als zweiter Ich-Bin-Ich-Nachweis neben meinem Reisepass selbst. (Zur Erklärung: Diesen Zettel habe ich selbst ausgefüllt und der Einreisebeamte am Flughafen hat lediglich einen Stempel draufgemacht nachdem er geprüft hat, dass meine Angaben mit den Daten im Pass übereinstimmen)
Mit dem Hinweis, dass ich meine Social Security Card in ca. zehn Tagen im Briefkasten haben sollte, wurde ich nach 115 Minuten Aufenthalt aus dem Büro verabschiedet.

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